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Ferienerlebnis mit dem C6 (inkl. Werkstattempfehlung)


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Geschrieben

Letzte Woche in Italien:

Beim Herumkurven auf den niemals geraden (weder in horizontaler noch in vertikaler Richtung) Strässchen im Chianti-Gebiet fiel meiner Frau und mir ab und zu ein Quietschgeräusch auf. Sehr oft war es zu hören, wenn es etwas abwärts ging, und insbesondere in Kurven (also meistens).

Da es für mich irgendwie nach Gummi klang und ausserdem schwer zu lokalisieren war, suchte ich zuerst einmal alle Räder ab, ob man etwas an den Reifen sieht, oder ob irgendwo etwas lose ist und am Rad schleift. Leider ohne Ergebnis. Ich entschied mich deshalb, mich auf die Suche nach einer Werkstatt zu machen. Ein freundlicher Tankwart gab mir den Tip, es am anderen Ende des Städtchens zu versuchen – aber nicht mehr heute. Tja, im Ferienmodus vergisst man leicht, dass Samstagnachmittag ist.

Am Montag machte ich dann die (nicht angeschriebene) Werkstatt ausfindig, die sich wohl hauptsächlich mit Landmaschinen beschäftigt, aber auch Reparaturen an Autos durchführt. Der freundliche Mechaniker kam dann auch mit auf eine kurze Probefahrt, bis das Geräusch auftauchte. Da er sich weiter aus dem Fenster zu lehnen traute als meine Frau, konnte er auch mit Sicherheit feststellen, dass das Geräusch von rechts vorn kam. Zurück in der Werkstatt demontierte er dann Rad und Bremsbeläge, suchte alles nach Fremdkörpern ab, blies die Bremsscheiben mit Druckluft ab und setzte alles wieder zusammen.

Das Geräusch war natürlich noch da. Er tippte dann auf Getriebe. Ich sah schon die hohen 4- oder 5-stelligen Beträge vor meinem inneren Auge, die wohl das Todesurteil für den C6 wären. Auf mein Nachfragen hin meinte er, es könne auch nur ein Lager sein. Ich müsse aber zu einer Citroën-Werkstatt gehen, man müsse einiges demontieren, um da Klarheit zu bekommen. Da es ihm offenbar gar nicht recht war, dass er mir nicht weiterhelfen konnte, weigerte er sich, Geld für die investierte halbe Stunde anzunehmen.

Da wir am Dienstag nach Florenz weiterfahren wollten, hatte ich die Hoffnung, in diesem dichter besiedelten und städtischeren Gebiet eine Auswahl an Citroën-Werkstätten vorzufinden. Auf der tollen Website von citroen.it fand ich dann auch einige Symbole auf der Karte, wo sich solche befinden sollten. Beim Anklicken dieser Symbole kam dann auch prompt eine Fehlermeldung, man kennt solches Verhalten ja von Konfiguratoren oder anderen Features der Citroën-Seiten. Also durfte ich nachschauen, welche Werkstatt in der Nähe dieser Symbole war, und ob es sich dabei um etwas mit Citroën Verbandeltes handelte. Das war bei immerhin zwei von den drei Symbolen der Fall – leider nicht direkt in Florenz, sondern etwas ausserhalb in Vororten.

Während es sich bei einer um eine grössere Citroën/Peugeot/DS-Niederlassung zu handeln schien, war die zweite eine autorisierte Reparaturwerkstätte ohne Niederlassungsstatus. Was mich bei deren Beschreibung aufmerken liess, war die Bemerkung, dass man auch alte Autos repariere, und dass der Besitzer Mitbegründer des IDéeSse-Clubs sei. Für mich war damit klar, wohin der Weg mich führen sollte – nach Scandicci zu "Autofficina LP Di Casini & C.". Nach einem kurzen Anruf waren sie bereit, meinen Wagen am Dienstagnachmittag anzusehen.

Der Besitzer der Werkstatt empfing uns, ein älterer Herr, der nach eigenen Angaben seit 1966 auf Citroën arbeitet. Er muss also schon weit im Pensionsalter sein. Was mir gleich ein gutes Gefühl gab, waren die Autos, die in und um die Werkstatt standen: ein weiterer C6, eine DS, ein Méhari und zwei 2CV. So muss eine Citroën-Werkstatt aussehen! Mit der Bemerkung, dass ich auch alte Citroëns liebe und fahre, war das Eis dann schnell gebrochen.

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Es folgte eine weitere Fahrt mit offenem Fenster und horchendem Mechaniker. Dieser war dann der Meinung, es könne nichts Mechanisches sein. Man wollte aber den Wagen am nächsten Tag (Mittwoch) noch genauer ansehen. Anstatt mich jetzt wieder ins Stadtzentrum und durch die Fussgängerzone zu quälen, liess ich den Wagen gleich dort, zumal in kurzer Entfernung die Station der recht modernen Strassenbahn war, die einen für 1.50 € direkt ins Zentrum bringt.

Am nächsten Tag dann ein weiteres Telefonat, um mich nach dem Stand zu erkundigen. Man hatte nun doch den Schaden gefunden, es schien sich, soweit ich das auf italienisch am Telefon verstehen konnte, um ein Lager zu handeln. Reparatur bis morgen (also Donnerstag) Abend. Das war nun nicht in meinem Sinn, da wir eigentlich am Morgen bereits abreisen wollten. Es wurde uns dann eine möglichst zügige Reparatur versprochen, vielleicht schon vor dem Mittag. Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr sollte ich nochmals anrufen, dann sollte das Ende absehbar sein.

Ich war erstmal sehr erleichtert, dass nicht das Getriebe betroffen war, und dass wir mit einem reparierten Auto zurück über die Alpen würden fahren können, gab mir auch ein beruhigendes Gefühl.

Leider folgte dann eine weitere Ernüchterung beim Telefonat am nächsten Morgen: es hatte nicht nur das Lager erwischt, die Antriebswelle selbst sei auch schon angefressen. Diese war schon bestellt und sollte um 16 Uhr eintreffen. Der Chef war sich aber sicher, dass der Wagen bis um 18.30 fertig sei, sie würden zu zweit daran arbeiten. Ich sah schon die ursprünglich angekündigte Rechnung von gut 600 Euro sich um einen grösseren Betrag erweitern, und an ein zeitiges Heimkommen war so auch nicht mehr zu denken. Aber was will man machen, wir mussten die Situation akzeptieren. Wir beschlossen, es als einen geschenkten Tag in Florenz zu betrachten und noch einige Cafés auszuprobieren und Dinge anzusehen.

Nach einer Tramfahrt mit vollem Gepäck am Abend standen wir dann wieder da, und der C6 war um 18.30 tatsächlich schon von der Bühne runter. Der andere C6 vom ersten Besuch war inzwischen durch eine weitere DS ersetzt worden, und der Chef stand mit einem Kunden (Dyane-Fahrer, stellte sich heraus) davor und fachsimpelte.

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Ich sah mir dann noch die rechte Antriebswelle und das schadhafte Lager (in der Mitte derselben) an, dann wusste ich auch, was genau kaputt gegangen war. Nach abermals einigen freundlichen Worten und einem guten Espresso ging dann die Fahrt nach Norden kurz nach 19 Uhr los. Während es ein langer Tag werden sollte, hatte die späte Rückfahrt auch ihr Gutes: sehr wenig Verkehr, ab Milano keine Lastwagen mehr, keine Staus und sehr angenehme Temperaturen. Um 1 Uhr kamen wir dann zu Hause an.

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So beendeten wir also diese Reise auf etwas abenteuerliche Weise, aber auch mit tollen Begegnungen und Erfahrungen im Gepäck. Zudem kostete die Reparatur am Ende nur etwas über 700 Euro, in der Schweiz wäre wohl das Doppelte angestanden. Die Werkstatt in Scandicci (westlicher Vorort von Florenz) kann ich nur empfehlen! Ich weiss allerdings nicht, wie gut das Ganze ohne Italienischkenntnisse funktioniert hätte. Im Gastgewerbe bekommt man zwar ständig englische Antworten auf italienische Fragen, aber in anderen Bereichen scheint den Leuten doch die Landessprache näher zu sein.

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Geschrieben

Eine ähnlich positive Erfahrung konnte ich vor 17 Jahren in Dorgali/Sardinien machen. In einer kleinen Werkstatt (Wohl eigentlich VW aber auf der Bühne stand ein Alfa) wurde die Lichtmaschine meines CX repariert (ja, nicht getauscht!) für lumpige 100 €. Wäre mir das zu Hause passiert, hätte ich wohl eine neue eingebaut, für deutlich mehr Geld. 

Eine Werkstatt, wie Du sie in Florenz gefunden hast, gibt es leider kaum noch. Glückwunsch Simon!

Geschrieben

Welch schöne Reisegeschichte! 🙂

Und schön, dass es solche Werkstätten überhaupt noch gibt.

 

Viele Grüße, H.

Geschrieben
Am 26.9.2020 um 01:27 schrieb Ulrich T:

Eine Werkstatt, wie Du sie in Florenz gefunden hast, gibt es leider kaum noch. Glückwunsch Simon!

 

Am 26.9.2020 um 13:42 schrieb HuberoFN:

Und schön, dass es solche Werkstätten überhaupt noch gibt.

Wenn man das Alter des Besitzers anschaut, fragt man sich auch, wie lange diese hier noch Bestand haben wird (zumindest in dieser Form). Leute solchen Schlags sind halt schon eher eine aussterbende Spezies.

Geschrieben

Ich hatte als Student vor 40 Jahren ebenfalls eine Reise nacht Italien gemacht - mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau. Hinter dem Brenner leuchtete urplötzlich die rote Kontrollleuchte meiner giftgrünen Diane (ca. 20 Jahre alt) auf. Während der folgenden zwei Stunden Fahrt ging sie nicht mehr aus. Also, bei einer Werkstatt  angehalten. "Tutto brucchato" (schreibt man das so?), also alles "verbrannt", sagte der Meister eines kleinen Citroen Krauterladens und wies in den Motorraum: "Tutto brucchato!". Wir sollten in 3 Stunden wiederkommen. Wir kamen. Haben freiwillig 350 Mark bezahlt, das war die Hälfte unseres Reise-Budgets, und waren überglücklich, dass wir unsere Reise nach Venedig doch noch fortsetzen konnten. Wir stiegen ein. Das rote Licht war tatsächlich aus. Welch eine Freude. Noch ein Trinkgeld obendrauf und ab ging die Post nach Venedig, wo wir in der Altstadt übernachten wollten.

Wir waren keine 30 km weit gekommen, als das rote Warnlicht wieder aufflammte. Jetzt wieder zurück, wieder "Tutto brucchato" und 350 Euro zahlen? Nein! Ich holte ein graues Klebeband aus dem Werkzeugkoffer und klebte die störende Leuchte einfach zu - aus den Augen aus dem Sinn. Der restliche Urlaub war dann schön und sorgenfrei. Die Diane schaffte den Weg über Monaco und Lyon bis heim ohne Mucken.

Wieder zurück in Deutschland ging ich - nach geschätzt 2000 Kilometern Fahrtpensum - zu Citroen und erhählte ihnen von der vertrackten Sache mit "Tutto brucchato". Der Meister machte ein paar Handgriffe und sagte: "Die Kontrolleuchte wird falsch angesteuert. Die ersetzten wir. Kontaktproblem." - Gesagt, getan, 20 Mark bezahlt, Licht war aus und schon lief die treue Diane wie immer. Und sie lief noch ein gutes Jahr ohne Ärger. Danach brauchte ich einen Break und besorgte mir als Student einen R16 TX. Der machte mir allerdings so viele Sorgen und fraß durch Motorreparaturen, die ich selber ausführte, mein Taschengeld auf, so dass ich ihn bald verschrotten musste. Danach war es dann ein R20. - Und dann einen CX. Seitdem bin ich Citronaut.

Aber ich traue keinem mehr über den Weg. Man weiß nie, wann man geleimt wird. In der Autobranche bist Du als Laie vollkommen ausgeliefert.

Aber Venedig war schön.

zurigo

 

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